Unser ehrliches Fazit nach einem Jahr KI im Planungsprozess
Hier ist, was wir gelernt haben.
Der Anfang: Begeisterung mit Nebenwirkungen
Als die ersten KI-Visualisierungstools marktreif wurden, war die Reaktion bei uns geteilt. Die einen fanden es faszinierend. Die anderen haben die Augen verdreht. Beide hatten recht.
Die Tools sind beeindruckend schnell. Ein Raum, eine Stimmung, eine grobe Idee – und 40 Sekunden später liegt ein Rendering auf dem Tisch, das gut aussieht. Gut genug, um einem Kunden zu zeigen, wohin die Reise gehen könnte.
Das Problem: Gut aussehen und stimmen sind zwei verschiedene Dinge.
KI-generierte Räume haben kein Gefühl für Maße. Keine Ahnung, dass zwischen der Bühne und der ersten Stuhlreihe ein Sicherheitsabstand sein muss. Dass ein Catering-Bereich Bewegungsfläche braucht. Dass Lichtquellen im Rendering schöner wirken als sie in der Marx Halle tatsächlich funktionieren.
Das hat uns in den ersten Wochen ein paarmal Nacharbeit gekostet, die wir uns eigentlich sparen wollten.
Was KI wirklich kann – und was nicht
Nach einem Jahr sind wir zu einer ziemlich klaren Einschätzung gekommen.
KI ist stark, wenn es um Geschwindigkeit und Inspiration geht.
In einem frühen Briefing-Gespräch, wenn noch alles offen ist und der Kunde selbst nicht genau weiß, was er will – da ist ein KI-generierter Moodboard-Raum Gold wert. Nicht weil er das finale Konzept zeigt, sondern weil er das Gespräch in Gang bringt. Kunden können reagieren. "Ja, diese Atmosphäre." Oder: "Nein, weniger klinisch." Das geht schnell, kostet wenig und spart uns manchmal eine ganze Abstimmungsrunde.
Cinema 4D bleibt unser Standard, wenn es ernst wird.
Sobald ein Konzept Form annimmt, sobald wir über tatsächliche Raummaße, Bühnengeometrie, Lichtplanung und Besucherstrom sprechen – da arbeiten wir nach wie vor mit unseren eigenen 3D-Modellen. Weil wir damit nicht Schönheit erzeugen, sondern Präzision. Der Kunde soll vor dem Event wissen, wie sein Event aussieht. Nicht ungefähr. Genau.
Das ist ein Unterschied, der sich in der Qualität der Umsetzung niederschlägt. Und den unsere Kunden, auch wenn sie es nicht immer explizit sagen, spüren.
Die Frage, die uns wirklich beschäftigt hat
Irgendwann im Sommer kam eine Frage auf, die ehrlicher war als alle Tool-Vergleiche: Wenn KI immer besser wird – was bleibt dann noch an uns hängen?
Wir haben darüber länger gesprochen, als wir erwartet hatten.
Das Ergebnis: Eine Menge. Vielleicht sogar mehr als vorher, weil wir es jetzt klarer sehen.
Ein Event ist kein Rendering. Es ist ein Raum, der sich verändert, wenn 600 Menschen darin sind. Es ist eine Dramaturgie, die kippt, wenn der Redner fünf Minuten länger spricht als geplant. Es ist das Gespür, wann die Stimmung abhebt – und wann sie zu kippen droht. Das lernt keine KI in absehbarer Zeit. Das lernt man in zwanzig Jahren auf Bühnen, in Lagerhallen und in feuchten Festzelten.
KI ist kein Ersatz für Erfahrung. Aber sie ist ein sehr guter Assistent für Menschen, die welche haben.
Was wir behalten, was wir lassen
Wir behalten:
- KI-Tools für frühe Visualisierung und Kunden-Inspiration
- Schnelle Stimmungsbilder
- Variantenexploration
- Moodboards
- Alles, was Gespräche öffnet
Wir lassen:
- Den Reflex
- KI-Output als fertigen Entwurf weiterzugeben
Das ist ein Qualitätsproblem, das wir uns nicht leisten wollen – und das wir uns in einigen frühen Tests auch tatsächlich nicht geleistet haben.
Was uns überrascht hat: Wie viel Zeit KI in der Kommunikation spart, nicht in der Planung. Texte strukturieren, Briefings zusammenfassen, Angebote aufbereiten – da steckt mehr Effizienzgewinn drin als in jedem Rendering-Vergleich.
Fazit, wirklich ehrlich
KI hat unsere Arbeit verändert. Nicht revolutioniert, verändert. Es gibt Schritte, die schneller gehen. Es gibt Gespräche, die früher produktiv werden. Und es gibt Qualitätsentscheidungen, die wir bewusster treffen, weil wir jetzt öfter darüber nachdenken müssen, was genau wir eigentlich leisten.
Das Beste daran: Wir haben keine Angst mehr vor dem Thema. Weder die überschwängliche "KI verändert alles"-Begeisterung, noch die reflexartige Skepsis. Wir nutzen, was hilft. Und wir wissen mittlerweile, was das ist.
Nächster Schritt: Ein strukturierter Vergleich, was Cinema 4D und KI-Tools in der Raumplanung wirklich unterscheidet – mit konkreten Projektbeispielen. Den Artikel gibt es bald hier im Backstage.
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